Ein Abenteuer mit einer Menge Spaß dabei
Portabühne feiert mit "Tintenherz" im Stadttheater Premiere / Spielfreudiges Ensemble und viele witzige Ideen
Minden (mt). Abenteuerliche Dinge passieren in "Tintenherz": Da werden aus Ver-sehen Figuren aus Büchern herausgelesen oder auch Mensch hereingelesen. Und die Freilichtbühne Porta schaffte es bei der Premiere ihre Zuschauer hereinzu-spielen.
Von Ursula Koch
Denn magische Momente halten Robert Koalls Theaterfassung von Cornelia Funkes Roman und die Inszenierung von Jürgen Morche gleich mehrfach bereit. Etwa gleich zu Anfang, wenn die ganz in Schwarz gewandete Erzählerin (Astrid Liebscher) auf die Bühne tritt, im Hintergrund auf einer Leinwand ein Sternenhimmel funkelt. Sie führt in die Geschichte ein und wie von Geisterhand werden das Mädchen Meggie (Melanie Richter) bei Kerzenschein im Bett lesend von links und ihr Vater Mo (Friedhelm Schlötel), der "Bücherdoktor", vor seiner Bücherwand von rechts wie von Zauberhand hereingeschoben.
Wenig später entdeckt Meggie einen unheimlichen Fremden, der das Haus beobachtet. Staubfinger (Volker Homeier) ist gekommen, um Mo zu warnen: "Er kommt, Zauberzunge". Meggie versteht das alles nicht und schon gar nicht, dass ihr Vater noch in der selben Nacht mit ihr und Staubfinger zu Tante Elinor flüchtet. Die Drei verschwinden von der Bühne, aus dem Off ertönt das Geräusch eines davonbrausenden Autos und über die Bühne flitzt ein Mini im Miniformat einer von einigen zauberhaften Regie-Einfällen Morches.
Wenig später entdeckt Meggie einen unheimlichen Fremden, der das Haus beobachtet. Staubfinger (Volker Homeier) ist gekommen, um Mo zu warnen: "Er kommt, Zauberzunge". Meggie versteht das alles nicht und schon gar nicht, dass ihr Vater noch in der selben Nacht mit ihr und Staubfinger zu Tante Elinor flüchtet. Die Drei verschwinden von der Bühne, aus dem Off ertönt das Geräusch eines davonbrausenden Autos und über die Bühne flitzt ein Mini im Miniformat einer von einigen zauberhaften Regie-Einfällen Morches.
Die Fahrt endet zu den Klängen des 50er-Jahre Schlagers "Wenn bei Capri..." vor Tante Elinors Haus. Die Begrüßung fällt alles andere als herzlich aus. Schimpftiraden sind bereits zu hören, noch bevor sich die Tür öffnet. Bücher liebt Elinor über alles, Kinder sind ihr suspekt. Doch trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer rauen aber zupackenden Art, in der sie etwa einen der Ganoven mit ihrer Handtasche verdrischt, ist die Premierenbesetzung Conny Horstmann (alternierend spielt Ulrike Grasmann) ein Liebling der jüngeren Zuschauer.
Aber warum und vor wem sind Meggie und Mo eigentlich geflüchtet? Das holt Meggie durch intensives Nachfragen so nach und nach aus ihrem Vater und dem zwielichtigen Staubfinger heraus. So erfährt sie, dass Mo eine besondere Gabe hat: Er kann Figuren aus Büchern in die reale Welt herauslesen. Vor Jahren ist ihm das mit dem Bösewicht Capricorn (Guido Meyer) und seinen Kumpanen Basta (Stefan Diekmann) und Flachnase (Friedhelm Pape) passiert. Darum sind die Ganoven jetzt auf der Suche nach dem Buch, weil sie in ihre Geschichte zurückwollen. Seit damals ist allerdings auch Meggies Mutter verschwunden.
Um das Buch zu bekommen lässt sich Capricorn Mo von Basta und Staubfinger entführen. Da zeigt sich schließlich, dass auch Staubfinger und Elinor ein gutes Herz haben, sie helfen Meggie beim Versuch, ihren Vater zu befreien und treffen dabei auch noch auf den Schriftsteller Fegnolio (Walter Rommelmann) und Farid (Felix Bornemeier) aus "1101 Nacht".
All das setzt Morche mit den Amateur-Schauspielern gut nachvollziehbar in Szenen um, die auch die kleinen Zuschauer verstehen können, die das Buch nicht kennen. Die Figur der Erzählerin dient dazu, notwendige Verknüpfungen herzustellen und Hintergründe zu erläutern. Mit viel Spielfreude und überzeugend bringen alle Akteure ihre jeweilige Figur auf die Bühne. Da reißt der Spannungsbogen nie und kritische Stimmen zum Roman wie "zu langatmig" oder "zu vorhersehbar" stimmen für die Bühnenfassung und diese Inszenierung ganz und gar nicht. Spannend ist das Geschehen, aber nicht zu unheimlich. Dafür spielt Guido Meyer den Capricorn einfach zu offensichtlich geckenhaft und Stefan Diekmann und Friedhelm Pape geben den beiden Ganoven eine tölpelhafte Note, auch wenn sie mit Messern herumfuchteln. Das sehr gelungene Bühnenbild (Morche und Chrisoph Imming) und die Kostüme (Rosi Pape und Elisabeth Imming) deuten gut dosiert an, ohne die Phantasie der Zuschauer einzuengen.
Von zumindest einer achtjährigen Zuschauerin bekommt die "Tintenherz"-Version der Portabühne jedenfalls das Prädikat "sehr guht".
