Dröge Texthülle mit Leben gefüllt
Jugendgruppe der Portabühne macht aus der "Welle" ein interessantes Stück Jugendtheater
Minden (pri). Die Jugendgruppe der Goethe-Freilichtbühne Porta Westfalica hat am Freitagabend im Kleinen Theater am Weingarten ihre Version von "Die Welle" von Reinhold Tritt nach dem Roman von Morton Rhue in einer umjubelten Premiere vorgestellt. Ihre großartige Ensemble-Leistung führt diese Inszenierung zum Erfolg.
"Die Welle" ist ein Stück mit immer noch zeitgemäßer Thematik, guter Intention, klarer Aussage, schlechten - zumindest schlecht übersetzten - Texten und einer unausgewogenen Dramaturgie, die wesentliche Prinzipien des Schauspiels missachtet. Sie schildert den Versuch des Geschichtslehrers Ben Ross, seine Schüler in einem Experiment die Versuchungen des Faschismus in eigenem Erleben nachvollziehen zu lassen. Doch seine Bewegung, "Die Welle", entwickelt eine zunehmende Eigendynamik, deren Faszination Ross beinahe selbst verfällt.
Das Stück offeriert dies als Erzähltheater, in dem sich euphorisierende "Massenszenen" (Schulklasse, Cafeteria, Aula) und kommentierende Einzelszenen (Redaktion der Schülerzeitung, bei Ross´ zu Hause, Büro der Direktorin) abwechseln, das dabei jedoch wenig Handlung anbietet. Cornelia Horstmann hat in ihrer Regie daraus fast mehr entwickelt, als normalerweise zu machen ist. Immer wieder gelingen ihr sinnfällige Umsetzungen öder Lesetexte.
Das Stück offeriert dies als Erzähltheater, in dem sich euphorisierende "Massenszenen" (Schulklasse, Cafeteria, Aula) und kommentierende Einzelszenen (Redaktion der Schülerzeitung, bei Ross´ zu Hause, Büro der Direktorin) abwechseln, das dabei jedoch wenig Handlung anbietet. Cornelia Horstmann hat in ihrer Regie daraus fast mehr entwickelt, als normalerweise zu machen ist. Immer wieder gelingen ihr sinnfällige Umsetzungen öder Lesetexte.
Dabei kann sie sich auf die einsatzfreudige und herrlich lebendig wirkende Jugendgruppe stützen. Die Jugendlichen Darsteller spielen intensiv, überzeugend und füllen die armselige Texthülle so mit prallem Leben, dass "Die Welle" zu einem interessanen Stück Jugendtheater wird. Das ist eine ausgezeichnete Teamleistung.
Ohne die souveräne und zügige Präsentation des Schlussmonologs durch Volker Homeier, mit dem Lehrer Ben Ross völlig unglaubwürdig der "Bewegung" quasi mit einem Federstrich ein Ende setzt, hätte man sich die platte Auflösung wohl kaum gefallen lassen. Er entfaltet die Lehrerfigur zu einer mehrdimensionalen Persönlichkeit. Er, Astrid Volkmann als Christie Ross und Bärbel Masuck als gestrenge Direktorin Owens, bilden den versierten Spielerstamm, der den "jungen Trieben" Halt gibt.
Die freilich sprießen erfreulich. So kann Oleg Maximov den anfangs nur dämlich wirkenden Robert zu einer überzeugenden Führerpersönlichkeit entwickeln. Julian Nolte wirkt so herrlich schlacksig und überzeugend als Brian, nicht minder frisch Jan Krems als Bühnenfreund David an seiner Seite. Matthias Linnemann gibt einen über allem stehenden Alex. Mareike Imming verleiht der Schülerzeitungsredakteurin Laurie eine starke Persönlichkeit. Doch auch alle anderen wissen ihren Part zu gestalten.
Die Autoren der "Welle" versuchen, mit dem Holzhammer auf mögliche Bretter vor den Köpfen einzuschlagen. Die Freilichtbühne Porta macht daraus ein sehenswertes Theater-Erlebnis.
