Zarte Lyrik und harte Kritik
Heines Leben und Werk leben im Programm der Portabühne auf
Minden (pri). Das ist eine runde Sache: Heinrich Heines Lebensgeschichte in kurzen Worten, reichlich in treffend ausgewählten Gedichten und in Vertonungen seiner Verse kennen zu lernen. Mitgliedern der Freilichtbühne Porta gelang dies mit ihrem Leseprogramm im Mindener Museum auf angenehme Weise.
"Lyrik, Lieder, Kerzenschein" heißt das Programm, das Ursula Bayreuther, Gisela Meier und Walter Rommelmann gestaltet haben. Rommelmann beleuchtet das Leben des Dichters in wenigen kurzen, aber prägnanten Sätzen, immer wieder illustriert durch Gedichte Heines, die meist von Gisela Meier vorgetragen werden. Manchmal wechseln sie sich auch zu zweit oder auch mit Ursula Bayreuther ab. Sie ist eigentlich für die Liedvertonungen zuständig, die sie singend zur eigenen Pianobegleitung vorträgt.
Es ist sehr angenehm, dass Bayreuther sich um einen schlichten, klaren Vortrag verdient macht und übertriebene Romantisierung vermeidet. Dabei erklingen Lieder wie "Leise zieht durch mein Gemüt", "Das Fischermädchen", "Am Meer", "Die beiden Grenadiere", "Loreley" und "Auf Flügeln des Gesanges" - Vertonungen von Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Hugo Wolf und Robert Schumann. Daneben sind auch noch andere kleinere Kompositionen als musikalische Bindeglieder zu hören.
Es ist sehr angenehm, dass Bayreuther sich um einen schlichten, klaren Vortrag verdient macht und übertriebene Romantisierung vermeidet. Dabei erklingen Lieder wie "Leise zieht durch mein Gemüt", "Das Fischermädchen", "Am Meer", "Die beiden Grenadiere", "Loreley" und "Auf Flügeln des Gesanges" - Vertonungen von Franz Schubert, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Hugo Wolf und Robert Schumann. Daneben sind auch noch andere kleinere Kompositionen als musikalische Bindeglieder zu hören.
Zugleich mit der Biografie lernen die Zuhörer sowohl das "Taubenherz", den empfindsamen Lyriker, als auch den "Geierschnabel", den recht bissig zuhackenden Kritiker und scharfen Denker Heine kennen, und zwar gegliedert in drei Themenblöcke. Unter der Überschrift "Die Liebe ist eine Passion" entsteht das Bild der feinsinnigen Romantikers. Die "Suche die verdammten Fragen ohne Umschweif zu lösen" eröffnet Heines scharfsichtige Weltschau. Der dritte Teil zitiert ihn mit "Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest (von konfiszierlichen Büchern)" und stellt den realistischen Analytiker vor.
Von professioneller Klarheit und Ausdruckskraft sind die Textvorträge Meiers und Rommelmanns. Besonders intensiv gelang ihnen der gemeinsame Vortrag von "Die schlesischen Weber", in dem die brutale Lebenswirklichkeit der Hungerleider, der Takt der verbissen angetriebenen Webstühle und der Hass der Unterdrückten zum Ausdruck kam. Doch zum Schluss leuchtet Hoffnung auf ein besseres Leben bereits im Diesseits auf. Spannung und atemlose Stille herrschte im Saal, als Gisela Meier "Belsazar" deklamierte. Fast plastisch entwickelte die so angeregte Phantasie das babylonische Festgelage, das Schaudern angesichts der Lästerung "der Gottheit" und des flammenden Menetekels an der Wand.
Es lohnt sich, hinzugehen.
