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Das Fest -Premiere-

Aktuelles
Leichtes Menü, schwere Theaterkost
Als Gast bei Harres "Das Fest" dabei zu sein hinterlässt gemischte Gefühle
Minden (mt). Ein leichtes Menü, passend zur Abendstunde, tischte das Restaurant des Victoria-Hotels den Gästen im Ballsaal "Scala" auf, während zeit- und ortsgleich die Freilichtbühne Porta mit "Das Fest" von Matthias Harre eine Theaterkost servierte, die die "Verdauung" schwer belastet.
Von Ralf Kapries
Am Wochenende zweimal erprobt, nämlich zur Premiere am Freitag- und bei der zweiten Vorstellung am Samstagabend, hinterließ die Inszenierung, über die Harre auch die Regie führt, ein von der Ensembleleistung sehr beeindrucktes und von Inhalt zugleich recht nachdenklich gewordenes Publikum.

Bekannt geworden ist "Das Fest" als Film von Thomas Vinterberg. Film und Harre-Stück zeigen die pompöse Geburtstagsfeier des erfolgreichen Hoteliers Helge, an dessen Festmahl die Theaterbesucher teilhaben können. So werden sie eingebunden, ohne wirklich mitspielen zu müssen. Das schafft besondere Nähe. Aber schon bald können sie nur froh sein, nicht an der langen Familientafel sitzen zu müssen, die drei Stufen erhöht an der Stirnseite des Saales aufgebaut ist. Sohn Christian, noch ganz unter dem Eindruck des Selbstmordes seiner Zwillingsschwester Linda, "dankt" seinem sauberen Vater dafür, dass er seine Kinder unter dem Vorwand baden zu wollen, regelmäßig sexuell missbraucht hat.
Zunächst versucht die Gesellschaft, das Gesagte zu überspielen, doch Christian lässt nicht locker, obwohl ihm sein Bruder Michael, der zunächst loyal zur Familie steht, eine derbe Abreibung verpasst. Unterstützung erhält er vom Personal, wobei der Koch Kim (Stefan Diekmann) eine seltsame Rolle spielt. Als Christians Schwester Helene auch noch einen Abschiedsbrief Lindas (Katja Hundertmark), die als stille Rolle immer mal wieder anwesend ist, vorliest, der den Vater nochmals schwer belastet.

Nah am Publikum

Die "Scala" bietet die geeignete Kulisse dieses "Hotel-Stücks". Agiert wird neben der Festtafel auch an der gegenüber- liegenden Bar und mitten im Raum und damit immer nah am Publikum. Wilhelm Krückemeier beeindruckt als Vater durch eine reife Leistung, stark und leidenschaftlich agiert seine Tochter Ina als Helen, die von ihrer Freundin Karen (Dani Pohlmann) unterstützt wird. Jörg Homeier gestaltet kraftvoll die ambivalente Rolle des Draufgängers Michael. Eine besondere Leistung vollbringt Claus Burkhardt als Christian, indem er sehr schön die häufigen Wechsel zwischen Mut und Verzweiflung auszuspielen weiß. Souverän erfüllt Gunhild Gieselmann die Rolle von Helges Frau mit Leben, die von den Neigungen ihres Mannes wusste und ihn stets gedeckt hat. Diese Glanzlichter sind sehr gut in die Leistung des Gesamt-Ensembles eingebettet und können erst so ihre Wirkung entfalten.

Das Stück selbst spielt auf verschiedenen Zeitebenen, die durch Lichtwechsel und das "Einfrieren" der jeweiligen Parallellszene kenntlich gemacht wird. Besonders durch sie wird deutlich, dass jedes der Hotelierskinder Beziehungsprobleme und dadurch "Dreck am Stecken" hat. Eine Situation, die nachdenklich stimmt und zum Nachdenken über die weitreichenden Folgen sexuellen Missbrauchs anregt. Nicht zuletzt gewährleistet dieses Winterstück der Freilichbühne aber auch hintergründiges, teilweise sogar komisches Theatererlebnis, das seinen Eintrittspreis wert ist und dessen Besuch sich folglich lohnt.

Winter 2011/12


Venedig im Schnee
ab dem 28. Januar 2012 um 20.00 Uhr im Festsaal des Hauses Salem-Köslin (Kuhlenstraße 82/Minden)

 


 

 

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