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"Geh’ ab, benimm dich daneben!"

Alexander Werner macht sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Freilichtbühne / Alleine Regie geführt  

 

Minden (mt). "Ich bin jemand, der auf der Bühne gerne ausrastet." Wer so etwas sagt, der verspricht einen rasanten Abend. Und das tut Alexander Werner. Statt Bundeswehr oder Zivildienst macht er Theater. Mit der Wildheit eines 20-Jährigen. Die Idee, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Kultur zu machen, kam dem Bad Oeynhauser durch seine Schwester. In deren Wohnort Hamburg ist diese Art des FSJ bekannter als hier und Alex war sofort Feuer und Flamme.

 

Erste Bewerbungen und auch der Versuch, bei der Freilichtbühne Porta eine neue Stelle dieser Art zu schaffen, schlugen jedoch fehl. Der reguläre Zivildienst schien unvermeidbar. Bis kurzfristig dann doch eine Zusage vom Bundesamt für kulturelle Jugendbildung kam: Alex konnte bei der Freilichtbühne Porta als FSJler anfangen.    

 

Für den 20-Jährigen "eine Vermischung von Hobby und Beruf" - spielt er doch selbst schon seit fünf Jahren bei den Portanern mit, zuletzt den Romeo in "Romeo und Julia". Wer jetzt jedoch glaubt, für einen Amateur-Schauspieler sei ein Arbeitsdienst am Theater nichts weiter als das Fröhnen seines Hobbys, der täuscht. Alexanders Part in "Romeo und Julia" blieb weiterhin reine Freizeitbeschäftigung. "Erst habe ich gearbeitet und dann nach Feierabend für das Stück geprobt", erzählt er. Zwölf Stunden pro Tag an der Freilichtbühne - in intensiven Phasen sei dies keine Seltenheit gewesen.

Dabei stellte sich der Aufgabenbereich eines FSJler beim Theater erst als relativ spröde heraus. Die Bühne musste instand, das Laub fern gehalten werden. Der Rastplatz sollte beschnippelt und Kulissen gebaut werden. "Hausmeistertätigkeiten", die mit Ausnahme des Kulissenbaus auch jeder andere Zivi in jedem anderen Betrieb hätte machen können.

Doch dann kam doch noch das Kreative am Theater ins Spiel. Ein dreimonatiges Projekt nach Wahl stand an. Und Alex entschied sich für etwas, das seinen persönlichen Stempel tragen würde: die Inszenierung eines Stückes.

"Die Leute flippen auf der Bühne aus"


"Ich wollte einmal ganz alleine das Sagen haben", sagt er und unterstreicht seine Aussage energisch mit den Händen. 17 Schauspieler aus der Jugendgruppe hat er sich dazu ausgesucht, zum großen Teil langjährige Bekannte, Freunde des 20-Jährigen. Da war es mit der Autorität nicht immer leicht.

Dem ersten Eindruck nach ist Alex auch ein eher ruhiger Typ, fast unscheinbar. Beginnt er jedoch von "seinem" Stück zu reden, wird etwas lebendig. Auf "Der Kater" oder "Wie man das Spiel spielt", eine Bearbeitung von "Der gestiefelte Kater", ist seine Wahl gefallen. Kein Stück im eigentlichen Sinne, sondern "das Scheitern eines Stückes". Vor Publikum und auf der Bühne. Das klingt chaotisch - und soll es auch sein.

Bewusst habe er sein junges Alter in die Regie eingebracht, erzählt der 20-Jährige. "Ich inszeniere so, wie ich es selber gut finde." Wieder fliegen Hände durch die Luft. "Es soll rasant sein, die Leute flippen auf der Bühne aus, jeder Mist wurde ausprobiert." Bei jedem Wort glänzen seine Augen mehr.

Und so sieht man auf der Bühne nörgelnde Zuschauer, Kaninchenballett mit einem Kamel und einen König, der zu immer gleicher Musik wild das Zepter - einen Kochlöffel - schwingt, während er zu seinem Thron tanzt. "Geh’ ab, benimm dich daneben!", hatte Alex zu dem Darsteller gesagt.

Keine Angst vor schockierten Reaktionen? "Das ist Theater - da ist alles erlaubt", ist die Antwort. Zumindest in einem Punkt hat er damit Recht: Mehr als beim Zivildienst oder gar der Bundeswehr.

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