Ein Abend voller Liebe, Leid und Romantik
Freilichtbühne Porta feiert mit "Romeo und Julia" Premiere / Bei aller Tragik kommt die Komik nicht zu kurz
Porta Westfalica (mt). Die Degen sitzen locker, werden schon vor dem Prolog gezückt und dennoch steht an diesem Abend eine große Liebe im Zentrum eine tragische allerdings. Mit Shakespeares "Romeo und Julia" bietet die Freilichtbühne Porta einmal mehr einen Theater-Klassiker, der vom Premierenpublikum mit stehenden Ovationen bedacht wurde.
Das ist vor allem Verdienst der beiden jungen Hauptdarsteller Kristin Scheinhütte und Alexander Werner, die diese Liebe voller Zartheit und zugleich sehr leidenschaftlich überzeugend spielen. Die erst 15-jährige Kristin Scheinhütte zieht in ihrer Rolle alle Register, wandelt sich vom schüchternen Mädchen zum Trotzkopf, von der romantischen Schwärmerin zur verzweifelt Liebenden. Ihre erste Hauptrolle füllt sie voller Natürlichkeit überzeugend aus.
Auch Alexander Werner (der im Gegensatz zu seiner Partnerin seit einigen Jahren auf der Freilichtbühne spielt) überzeugt sowohl in seiner romantischen Schwärmerei wie in seiner rasenden Wut über den Verlust seines Freundes Mercutio oder dem Schmerz über den vermeintlichen Tod seiner Geliebten.
Regisseur Marcus Hamann (der den Portaner bereits 2004 mit "Faust" einen großen Erfolg bescherte) hat mit dieser Rollen-Besetzung ins Schwarze getroffen. Klug auch seine Entscheidung, zwar eine moderne Übersetzung (Frank Günther) zu wählen, aber der Handlung nicht künstliche Modernität überzustülpen, obwohl Shakespeare selbst, der die Tragödie 1595 schrieb, die Handlung im Jahre 1600 ansiedelte. Kleine Ausreißer erlaubt sich Hamann dennoch, ohne damit die Grundstimmung zu brechen, etwa wenn er den tödlich verwundeten Mercutio (Pascal Heger) rufen lässt: "Diener, hol den Notarzt!"
Bei aller Tragik kommt in Hamanns Inszenierung auch die Komik nicht zu kurz, etwa wenn Benvolio (Jan Krems) und Mercutio ihren Freund Romeo ob seiner schwärmerischen frühen Liebe zu Rosalinde als "Schmachtlappen" und "Schmusebold" aufziehen und damit eine turbulente Rauferei auslösen oder Bruder Lorenzo (Ulrich Dutz) Romeos rasanten Abgang mit den Worten "wer rennt, der rutscht" kommentiert oder Alexander Werner sportlich die Mauer zu Julias Balkon erklimmt.
Mit dem Prolog-Sprecher (Walter Rommelmann) und der Prolog-Pantomime (Ramona Marleen Lillwitz) führt er gleich zwei Figuren ein, die die Handlung aus der Außenperspektive kommentieren. Durch diese beiden Figuren gelingt es Hamann, die Handlung deutlich zu straffen, ohne Wesentliches wegzulassen. Einzig die Versöhnung der verfeindeten Familien Montagu und Capulet kommt so doch ein wenig unvorbereitet daher.
Mitreißend spielt Wilhelm Krückemeier den Wutanfall des Grafen Montagu, als seine Tochter Julia sich der Vermählung mit dem jungen Grafen Paris (Joos Tenbieg) widersetzt. Wild gestikulierend lässt er sein Donnerwetter auf die Tochter "verstockte Schlampe" und auch gleich noch auf die Amme niedergehen. Aber auch all die anderen Akteure in den kleineren Rollen tragen durch ihr stimmiges Spiel zum Gelingen dieser Aufführung bei.
Beim Bühnenbild setzt Hamann auf Reduktion: Links auf der Mauer ist der von einem schmiedeeisernen Geländer eingerahmte Balkon des Hauses Montagu platziert, hinten rechts das Haus der Capulets mit säulenumstandener Terrasse. Wenig lenkt den Blick des Zuschauers vom Spiel der Akteure ab. Nur die Kostüme (Rosi Pape und ihr Team) sind der Renaissance entsprechend prächtig gestaltet. Unterstrichen wird das Renaissance-Ambiente dazu durch einige wenige Musikeinspielungen auch hier Reduktion statt Überfrachtung und genau das macht die Qualität dieser Inszenierung aus.
