"Schert euch doch zum Donnerdrummel"
"Ronja Räubertochter" feierte Premiere auf der Portaner Freilichtbühne / Wunderschöne Kostüme und gute Inszenierung"Ronja Räubertochter": Szenen aus dem Kinderstück der Freilichtbühne Porta, das am vergangenen Sonntag Premiere hatte. Fotos: Stefanie Bollmeier
Von Stefanie Bollmeier
Porta Westfalica-Barkhausen (sbo). "Schert euch zum Donnerdrummel, ihr Hosenschisser" tönt eine verwegen aussehende Gruppe Räuber lautstark. Es sind die Mattisräuber, die mit ihrem lauten Geschrei die verfeindete Borkasippe vertreiben wollen.
Grund für diesen Tumult: Ronja Räubertochter feierte Premiere auf der Portaner Freilichtbühne. Bereits vor Beginn der Vorstellung wetteiferten die beiden Räuberbanden um die Gunst des Publikums, drängelten sich singend durch die Reihen, und ließen dabei ganz nach Räubermanier womöglich auch den ein oder anderen Gegenstand mitgehen.
Lautstark stimmte sowohl die Mattisbande als auch die Borkasippe ihre Gesänge an, um zum Donnerdrummel die Hosenschisser in die Flucht zu jagen. Unter der Regie von Detlev Schmidt stellten die Schauspieler die Geschichte der Ronja Räubertochter nach Astrid Lindgren auf die Bühne. Mit viel Liebe zum Detail, wunderschön gearbeiteten Kostümen und tollen Ideen entführten die rund 50 Akteure auf der Bühne ihr Publikum in eine völlig andere Zeit.
Jeder Schauspieler schlüpfte so gut in seine Rolle, dass die Geschichte um Ronja Räubertochter zu einem lebendigen Erlebnis für große und kleine Zuschauer wurde. Der eindrucksvolle Schauplatz der Freilichtbühne mit seinen wunderbaren Kulissen tat sein Übriges. Nicht einmal der Regen tat der guten Stimmung vor und auf der Bühne einen Abbruch.
Schließlich sind Räuber nicht zimperlich, dachten sich wohl auch die Akteure und legten sich noch mehr ins Zeug. Das Ergebnis war einfach schön anzusehen. Feiern und fröhlich sein steht bei den Räubern mit ihrem Anführer Mattis (garantiert kein Hosenschisser: Guido Meier) an erster Stelle.
Viel Rauch und lauter Knall
Als er und seine Frau Lovis (wunderschöner Gesang: Anette Splitthoff) mit Ronja (tolle Ausstrahlung: Laura Kohlhoff) eine Räubertochter bekommen, ist das Glück perfekt. Da wird sich Borka die Pest an den Hals ärgern, wettert Mattis - doch was er nicht weiß - sein Konkurrent hat zur selben Zeit ebenfalls ein Kind, seinen Sohn Birk, bekommen.
Mit viel Rauch und einem lauten Knall bietet die Inszenierung einen spektakulären Auftakt. Die Mattisburg wird in zwei Hälften geteilt, ausgelöst durch einen Blitz, der eine tiefe Höllenschlucht hinterlässt.
Während die Bande ihres Vater sich auf ihre Raubzüge konzentriert, erkundet Ronja den Wald und lernt auch dessen Gefahren kennen. Die bösen Wilddruden haben es besonders auf Ronja abgesehen. Mit ihren eindrucksvollen Kostümen machen sie einen furchterregenden Eindruck. Nicht nur auf dem Dach der Freilichtbühne tauchen die unheimlichen Boten plötzlich auf, sie schweben auch an einem Drahtseil hoch über der Bühne.
Nichts Gutes verheißen auch die Graugnome, die einem mit ihren bösen Sprüchen und Stöcken richtig Angst einjagen können. Einfach niedlich sind hingegen die Rumpelwichte. Wisu denn blus, wisu denn blus, hörte man es schließlich aus allen Ecken, denn auch die Kinder versuchten die drollige Sprache nachzuahmen. Mit ihrer etwas zerstreuten Art und ihrem herzlichen Wesen verdienten sich die kleinen Wichte Bestnoten.
Am liebsten hätten wohl einige Kinder die niedlichen Rumpelwichte als Spielkameraden mit nach Hause genommen. Nicht nur den Waldbewohnern begegnet Ronja, sie lernt schließlich auch Birk (Ronjas bessere Hälfte: Antoine Le Guellec) kennen, den Sohn von Borka (Eduard Schynol) und Undis (Astrid Volkmann), die sich mit ihrer Sippe in der anderen Hälfte der Mattisburg eingenistet haben.
Publikum sparte nicht mit Applaus
Die beiden verstehen sich im Gegensatz zu ihren Familien prächtig und lösen einen großen Krach aus, denn als die Mattisräuber Birk gefangen nehmen, liefert sich Ronja im Gegenzug selber als Geisel an die Borkaräuber aus. Nicht nur durch ihre wüsten Beschimpfungen, sondern auch durch ihr ruppiges Aussehen war der Streit der beiden Räuberbanden einfach schön anzusehen (Rosi Pape, Elke Lorenz und Sonja Pape hatten sich um die wunderbaren Kostüme gekümmert, Anita Puls und Birgit Hundertmark sorgten für struppige Haare und ein verwegenes Aussehen): da wurde krakeelt, geschimpft und gewitzelt, ganz im Sinne des begeisterten Publikums, die mit Szenenapplaus nicht sparten.
Einer, der den Überblick auf der Bühne nicht verlor, war Glatzen-Per (einfach toll, Sascha Scholz), der die Geschichte der Ronja Räubertochter erzählte und kommentierte. Trotz seiner eher unparteiischen Rolle, war er nicht vor dem großen Waschzuber sicher, den Lovis einmal im Jahr raus holte, um die ganze Bande von ihrem Dreck zu befreien.
Was sich da auf der Bühne abspielte, entwickelte sich von anfänglicher Abneigung hin zu einer riesigen Wasserschlacht. In einer großen Schlacht soll auch das Kräfteverhältnis von Mattis und Borka endgültig geklärt werden.
Wer schließlich der wirkliche Hosenschisser ist, und wer sich zum Donnerdrummel zu scheren hat oder ob es womöglich noch ein Happy End gibt, zeigen die Schauspieler an folgenden Terminen: Sonntag, 10. Juni, Sonntag, 17. Juni, Sonntag, 24. Juni, Sonntag, 1. Juli, Sonntag, 8. Juli (jeweils um 17 Uhr), Sonntag, 5. August (20.30 Uhr), Mittwoch, 8. August (20.30 Uhr), Sonntag, 12. August (17 Uhr), Mittwoch, 15. August (20.30 Uhr), Sonntag, 19. August (17 Uhr), Sonntag, 26. August (17 Uhr), Sonntag, 2. September (17 Uhr); Schulaufführungen: Donnerstag, 14. Juni, Donnerstag, 29. Juni, Mittwoch, 4. Juli (jeweils 9 und 11.15 Uhr); Sonderveranstaltung: Mittwoch, 22. August (17.30 Uhr).
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05.06.2001
