Großer Spaß für die ganze Familie
Porta-Freilichtbühne zeigt Peter Pan im Stadttheater / Erfolg mit hohem technischen AufwandPeter Pan auf der Bühne des Mindener Stadttheaters.
Von Ralf Kapries
Minden (pri). Mit "Peter Pan" hat die Freilichtbühne Porta ein grandioses Unterhaltungsstück für die ganze Familie auf die Bühne des Stadttheaters gebracht, das sich getrost mit professionellen Inszenierungen messen kann.
Das beweisen sowohl der donnernde Applaus des Premierenpublikums am Dienstagabend als auch die zahlreichen bereits ausverkauften Vorstellungen. Die Geschichte vom kleinen Jungen, der um keinen Preis groß werden will, weist manche phantastische Eigenarten auf, die Matthias Harre liebevoll umgesetzt hat.
So bauen die verlorenen Jungen ihrer neuen Mutter ein Haus aus den bunten Plastiksteinen eines bekannten Baukastensystems. Dass dieses Theaterstück ein "Weihnachtsmärchen" ist, deutet nur ein Weihnachtsbaum im letzten Bild bescheiden an. Im Vordergrund stehen vielmehr Hund Nana als Kindermädchen und heimlicher Star des Abends, der fliegende Peter Pan, das Land Nirgendwo, bunt schillernde Piraten und abenteuerliche Indianer. Dazu kommt die gekonnte Bühnenausstattung Wilhelm Krückemeiers, die sich des "Großen Theaters" würdig erweist.
Getragen wird das Stück vor allem durch die spielfreudige und dabei profihafte Leistung aller beteiligter Schauspieler, die sich neben anderen Qualitäten durch eine durchgängig gute Textverständlichkeit bei völligem Fehlen regionaler Idiome auszeichnet - ein Faktum, das man gerade bei Kindern nicht immer erwarten kann. Gerade die vielen Darstellerinnen und Darsteller im Kinderalter tragen aber einen wesentlichen Teil zum Charme dieses Stückes bei. Einerseits sehen Kinder ihresgleichen gerne auf der Bühne, andererseits überträgt sich die unbefangene Leichtigkeit ihres Spiels rasch auf die Stimmung der erwachsenen Zuschauer.
Bösewicht ganz zahm
Schwachstellen zeigt diese Inszenierung allerdings immer da, wo zu stark auf die neue Bühnentechnik gesetzt wird. Dass Peter Pan mitten in einer Szene durch einen Techniker von der Flugmaschine befreit werden musste, ist eine Panne, die vorkommen kann, ebenso die plötzlich auftretende riesige Projektion eines Computer- Bildschirms während einer Umbaupause. Es bleibt jedoch fraglich, ob etwa die Seile der Flugmaschine ohne Rückprojektion nicht besser zu kaschieren gewesen wären und damit der Flug ohne die zweifellos schönen Bilder im Hintergrund noch wirkungsvoller ausgefallen wäre.
Die Landschaftsprojektion für das Land Nirgendwo zeigt auch bei Nachtszenen eine Landschaft in hellem Tageslicht. Die Verwandlungen zwischen den Szenen erfordern Unmengen an Zügen, die nach einem genauen Ablaufplan bedient werden müssen. Lässt sich das an Computeranimation gewöhnte Auge noch von solchen Theatereffekten überrumpeln?
Wer fürchtet, sein Kind könne angesichts der Gefahrensituationen im Stück seelischen Schaden nehmen, kann beruhigt werden. Schon die Autorität der Eltern wird systematisch relativiert. Und wenn die Piraten mit dem Song "Piraten sind böse und so sind auch wir" auftreten, so erscheint das eher als eine notwendige Selbstbestätigung der recht tölpelhaft und ängstlich auftretenden "Männer". Auch Kapitän Hook erscheint mehr als bunt schillernde Fantasiefigur denn als wirklicher Bösewicht. Auch das Krokodil, das den Piraten solche Angst bereitet, wirkt für die Kinder eher spaßig. Und als dieses "Untier" schließlich den KäptÕn verschlingt, ist das technisch perfekt, aber eben - technisch.
"Immer lustig sein"
Eher könnten da die vielen unausgeräumten Gesellschafts- und Rollenklischees Anlass zu pädagogischer Aufbereitung geben. Peter Pan erscheint also als ein wunderbares Amüsierstück für Groß und Klein, ganz so, wie Regisseur Harre es wollte. Aber hat es auch eine "Botschaft"? Peter Pan, der erklärt "Ich bin die Jugend, ich bin die Freude, ich bin der kleine Vogel, der aus dem Ei kommt", bekommt vom Autor James Matthew Barrie mehrfach in den Mund gelegt: "Ich will ein kleiner Junge bleiben und immer lustig sein!" womit er seine Ablehnung einer ihm eintönig und langweilig erscheinenden Erwachsenenwelt ausdrückt. Für Nachdenkenswertes scheint aber in dieser Inszenierung kein Platz vorgesehen zu sein.
Weitere Aufführungen: 11. und 12. Januar um 17.30 Uhr sowie 13. und 14. Januar um 16 Uhr, Karten beim Ticket Service, Domstraße 2, Telefon 05 71 / 91 19 111.
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14.12.2000
