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Momo -Premiere-

"Momo" kein buntes Action-Stück

Inszenierung der Portabühne fasziniert mit leisen Tönen / Reife Leistung des gesamten Ensembles

Von Ralf Kapries

Minden (mt). Herzliche Aufnahme fand die Premiere des Stückes "Momo" von Michael Ende am Sonntagnachmittag im Mindener Stadttheater. Mit dieser Produktion stellte die Freilichtbühne Porta ihr "Weihnachtsstück" für die ganze Familie vor und erntete reichlich Applaus.

Wer von der Inszenierung Detlev Schmidts allerdings ein technisch aufwändiges, an Effekten reiches, buntes Kinderspektakel erwartet, wird sich neu orientieren müssen. Schmidt geht mit dramaturgischen Mittel sparsam um, setzt sie gezielt ein, erzeugt bewusst Höhepunkte. Damit befriedigt er stärker intellektuelle als vordergründige Unterhaltungsbedürfnisse und stellt eine Fassung vor, die frühestens für Kinder mit Beginn des Schulalters geeignet ist. Jüngere kommen nicht auf ihre Kosten.

Auch der Trend zu immer stärkerem Einsatz komplizierter Bühnentechnik wurde unterbrochen. Mit dieser Konzeption korrespondiert das Bühnenbild, das Christoph Imming und Wilhelm Krückemeier gestaltet haben. Es besteht im wesentlichen aus beweglichen Quadern unterschiedlicher Größe mit aufgemaltem Bruchsteinwänden.

Wir erinnern uns: "Es war einmal... eine kleine Stadt, die überall und nirgends sein kann. Dort gibt es nur eine einzige Attraktion: das Amphitheater. Sonst nichts." Hier treffen sich vor allem die Kinder mit Momo, lauschen ihren Geschichten und spielen ihre Spiele.

Im weiteren Verlauf des Stücke entpuppen sich die quaderfömigen Kästen dann als äußerst vielseitig. Einer lässt sich aufklappen und wird zum Friseurladen Fusies. Mit goldenen Stoffen bezogen entsteht Meister Horas Reich. Zusammengeschoben bilden sie Eingang und düsteren Hintergrund des "Kinder-Depots". Aufgetürmt entsteht eine furchteinflößende Pyramide, auf der die Grauen Herren Gericht halten - sicherlich eine der beeindruckendsten Szenen mit violettem Licht und viel Nebel.

So läuft das Stück etwas stockend an. Die Szene erscheint statisch und konstruiert, dialogisch dominiert und wenig glaubhaft in Bewegung umgesetzt. Doch die Geduld des Zuschauers wird belohnt. Was eingangs als ein leicht dilettantisches Bühnenspiel mit Kindern wirken mag, erzeugt mit seiner Einfachheit Ruhe und Konzentration für Aussagen, mit denen Autor und Regisseur gerne die Szenen ausklingen lassen.

Allmählich entwickelt sich eine bunte, faszinierende Märchenwelt, die - eben weil sie Tumulte vermeidet - fesselt und auf Zwischentöne lauschen lässt. Auflockernde Elemente fehlen keinesweg. Vielleicht hatte das Publikum zu sehr darauf gewartet und klatschte - Alt wie Jung - begeistert mit, als "Die vollkommenen Puppen" - welche Perversion des Spielzeugs - zäh, mechanisch und unrhythmisch zu den fetzigen Klängen von "IÕm a Barbie-Girl" tanzten.

Spätestens hier wurde schmerzhaft deutlich, dass Endes "Momo" genauso wenig wie Kiplings "Dschungelbuch" als reine Kinderbelustigung gedacht ist, sondern sich in seiner Aussage durchaus an Erwachsene wendet, was jedoch bei beiden gleichermaßen verkannt wird.

Keinesfalls aber entsteht durch die Akzentuierung auch stiller Töne eine langweilige Inszenierung. Vielmehr entwickelt diese Produktion der Freilichtbühne einen ganz eigenen "Sog", der die Zuschauer ins Geschehen hineinzieht und bis zum Schluss fesselt.

Das liegt ganz wesentlich am Engagement und der offensichtlichen Spielfreude aller Beteiligten. Dabei entstehen ganz ohne Starkult liebenswerte und schön gezeichnete Einzelfiguren. Vor allem aber dominiert eine reife Gesamtleistung, aus der niemand unangenehm herausfällt - eigentlich eines der größten Komplimente, die man Regie und Ensemble machen kann. Eine Runde Sache also. Dies und die lange Besetzungsliste verbieten es, Einzelne besonders hervorzuheben.

Vor diesem Hintergrund hat die Freilichtbühne gute Chancen, dass die Schlussbotschaft Meister Horas auch beim Publikum jeden Alters ankommt: "Die Zeit ist das Leben, und das Leben wohnt in den Herzen."

Weitere Aufführungen bis 22. Dezember im Mindener Stadttheater, Karten beim Ticketservice, Domstraße 2, Telefon 05 71 / 91 19 111

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10.12.2002

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