Kleine Schwester weht als FlaggePorta Freilichtbühne zeigte Premiere von "Michel in der Suppenschüssel" nach Astrid LindgrenDie Aufregung in der Familie ist groß: Michels (Julian Hermes) Kopf steckt dummerweise in der Suppenschüssel fest. Foto: Martina Graff Von Martina Graff Porta Westfalica (mgr). Probleme sind zum Lösen da, findet Michel. Gleichgültig, ob es der eigene Magen ist, der nach einer ordentlichen Portion verlangt, ob die Dienstmagd unter Zahnschmerzen leidet oder ein gefährlicher Dieb zur Strecke gebracht werden muss. Der Lausebengel aus Lönneberga käme nie auf die Idee, nicht genügend Kompetenz oder Vorausschau zu besitzen. Er ist die Hauptfigur im neuen Theaterstück der Freilichtbühne Porta "Michel in der Suppenschüssel" nach dem Roman von Astrid Lindgren. Zuschauer in nahezu vollbesetzten Reihen schauten sich bei herrlichstem Sonnenwetter die Premierenaufführung an. Kurze Trägerhose, Hemd, Kappe auf dem Kopf, immer gut aufgelegt und nie auf den Mund gefallen, so stellt sich voller Elan Michel dar. Neckisch grinst Julian Hermes, der ihn gut verkörpert, um dann wieder ganz normal zu tun und harmlos dreinzuschauen, wenn ihm dummerweise etwas passiert, wofür er nun seiner Meinung nach wirklich nichts kann. Wer kann denn schon ahnen, dass man mit dem Kopf in der kornblumenblauen Suppenschüssel festklemmt, wenn man sie doch nur leerschlürfen möchte? Und was ist andererseits dabei, statt der Flagge die kleine Schwester (Isabel Kuhnke) am Fahnenmast zu hissen, die ihrerseits die phantastische Aussicht genießt. Keinen Spaß versteht in einer anderen Szene Michels Vater Anton (Stefan Diekmann), weil ihn sein Sprössling versehentlich ins Klohäuschen eingesperrt hat. "Hilf mir sofort hier raus, sonst KriegÕ ich einen Blutsturz", brüllt er wutentflammt. Wie gut, dass auch dieses Problem schließlich aus der Welt geschafft ist, auch wenn der Bub nun zur Strafe wieder einmal im Schuppen Holzmännchen schnitzen muss. Ein kleiner Gag Marke Eigenbau aus der Richtung des Regieteams (Detlef Schmidt mit Assistentin Conny Horstmann): Eine Tanzgruppe, über und über bestückt mit kleinen Schnitzmännchen, erscheint in Form fleischgewordener Holzmänner auf der Bühne. Zwischen den einzelnen Spielszenen mit ihren wechselnden Schauplätzen begleitet ein kleiner Musiktrupp erzählend das Geschehen nach selbstgeschriebenen Noten im Stile schwedischer Folklore aus der Feder von Anneke Petersen. Etwas müde und dünn wirkt allerdings dieser Beitrag, gesanglich als auch instrumentell. Insgesamt sind an dem heiteren Spielstück rund 70 Akteure beteiligt, die mit viel Energie und Witz, in tollen Kostümen und meistens auch laut genug und verständlich dem Kinderbuch- Klassiker Bühnenleben einhauchen. Mit kräftigem Applaus bedankte sich das Publikum für die vergnügliche Theatervorstellung. Weitere Aufführungen bis zum 14. Juli jeweils sonntags um 17 Uhr, nach der Sommerpause am 11. August um 19 Uhr, anschließend bis zum 8. September wieder jeweils jeden Sonntag um 17 Uhr. Kartentelefon: 05 71 / 7 13 68. copyright by mt-online.de 05.06.2002 |
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