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Der glöckner von Notre Dame -Premiere 2-

Spannend bis zum letzten Moment

Freilichtbühne Porta bot mit Harres „Glöckner von Notre-Dame“ überzeugende Premiere

 

Von Ralf Kapries


Porta Westfalica (pri).  Die Türme von Notre-Dame des Paris sind in gespenstisches rotes Licht getaucht, Volksmassen rennen gegen die Tore an, verteidigt von einem verzweifelten Quasimodo, der in unheimlichen Zeitlupentempo Steinquarder in die tobende Menge schleudert. Flammen schlagen meterhoch in den Nachthimmel empor – ein Drama erreicht seinen Höhepunkt. Es folgt begeisterter Applaus.


Die Rede ist von Matthias Haares „Glöckner von Notre-Dame“, der am Samstagabend auf der Freilichtbühne Porta Premiere hatte. Der Regisseur hat das Bühnenstück nach dem Roman „Notre-Dame de Paris“ von Victor Hugo selbst geschrieben und dabei meisterhaft verschiedene Handlungsstränge für sein Stück verwendet. In fas shakespearianisch-klassischer Manier flicht er Lustiges und Tragisches, Historisches und Erdachtes zu einem Drama zusammen, das nicht allein die tragische Verbindung zwischen Glöckner und der Tänzerin Esmeralda betont, sondern auch anderen interessanten und kennzeichnenden Vorgängen Raum lässt. Amüsante Szenen bringen die Entspannung, die die Rezeption der tragischen und dramatischen Szenen teils erst ermöglicht, teilweise deren Ausdruckskraft noch erhöht. So bleibt das Stück spannend bis zum letzten Moment.

 

Aber auch in seiner Regieführung hat Harre, unterstützt von seiner bewährten Regieassistentin Corinna Thiemann, Überzeugendes geleistet. In Einzel- wie in Massenszenen ist sein wachsames Auge spürbar; bis zum letzten Statisten weiß jeder was er zu tun hat und ist in ungebrochener Intensität präsent. Das ist natürlich nur mit einem hochmotivierten Ensemble möglich, das Harre mit den Mitgliedern der Goethe Freilichtbühne Porta Westfalica vorfindet. Es ist jedoch auch Verdienst des Regisseurs, seine Akteure über lange und anstrengende Probenphasen hinweg zu solch ausdauernder Leistung zu führen. So gelingt eine überzeugende Gesamtleistung, die keine Wünsche offen lässt – eine Gemeinschaftsarbeit, an der in den kommenden Wochen und Monaten noch viele Besucher Freude haben werden.

 

Wenig Text und eine relativ knappe Gesamtspielzeit stellen den Darsteller der Titelfigur Quasimodo, Stefan Diekmann, vor eine schwierige Aufgabe, die er jedoch mit Verve zu bewältigen weiß. Mit kraftvollem und behenden Einsatz verleiht er dem hässlichen Buckligen Charakter und Tiefe. In der Darstellung seiner Angst um Esmeralda gelingen ihm anrührende Szenen. Laura Kohlhoff gestaltet die Esmeralda außerordentlich facettenreich – sowohl als lebensfrohe und selbstbewusste Tänzerin als auch als durch die Folter der Inquisition und Kerkerhaft gebrochenes Wesen vermag sie zu überzeugen. Friedhelm Schlötel blüht in seiner Rolle als zwiespältiger Dom Frollo kraftvoll auf. Sehr lebendig und ein wenig nonchalant charakterisiert Alexander Werner, den Dichter Pierre Gringoire, der auch amüsant in das Geschehen einführt. Sein tragisches Schicksal durchzieht das gesamte Stück als erfrischende Nebenhandlung. Als hübschen, eleganten aber leider etwas dümmlichen Phöbus des Chateaupers charakterisiert Thorsten Bartsch treffend seine Rolle. Gemeinsam mit dem gewitzten Studenten Jean Frollo, lebensnah personifiziert durch Jörg Homeier, steuern sie zur Gesamthandlung fröhliche Abenteuer bei. Durchgehend sich aber auch alle anderen Rollen des über 50-köpfigen Ensembles liebevoll und überzeugend gestaltet.

 

Auch hinter den Kulissen wurde Großartiges geleistet. So entstanden vielfältige und zum Teil sehr prachtvolle Kostüme in der Schneiderei von Rosi Pape, Elke Lorenz und Ramona Lillwitz. Matthias Harre fand neben allem anderen noch Zeit viele Quadratmeter Stoff zu bemalen, die als Aushängungen mit Fragmenten von Notre-Dame gleichsam für eine Omnipräsenz der Kirche sorgt. Wilhelm Krückemeier widmete sich neben seiner überzeugenden Darstellung des Inquisitors Chamolue auch dem Bühnenbau. Ein zehnköpfiges Technikteam unter Leitung Christoph Immings sorgte für „den guten Ton“, ausgeklügelte Lichtstimmungen und raffinierte Effekte.

 

Reinhard Leimbach widmete sich voller Akribie der gelungenen Maske des Quasimodo, während die unermüdliche Anita Puls und ihr Team jedem Darsteller und jeder Darstellerin zu passendem Gesicht und Haartracht verhalf – die Liste der Abendbesetzung wies hierfür allein 54 „Kundinnen und Kunden“ für ihren „Salon“ aus. Einzige Ausnahme: Ziegenbock Hennes, der übrigens seinen Sonderapplaus für die Darstellung der Ziege Gjali interessiert zur Kenntnis nahm.

 

Weitere Aufführungen: Bis 3. Juli jeden Samstag, danach bis 14. August jeden Freitag und Samstag jeweils 20.30 Uhr, Kartentelefon 05 71/71 368 (Mi-Sa 16-19Uhr)

 

Copyright © Mindener Tageblatt 2004

Erscheinungsdatum 08.06.2004 / Ausgabe MT

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