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Faust -Vorbericht 3-

Welttheater in Fabrikhalle

Freilichtbühne Porta probt Goethes Faust / Premiere am 6. Feburar

Von Ralf Kapries

Minden (pri). Die "Goethe Freilichtbühne Porta Westfalica" besinnt sich nach fünf Jahren wieder einmal auf ihren Ehrentitel und bringt das 1808 publizierte Meisterwerk des alten Geheimrats aus Weimar zum vierten Mal in ihrer Geschichte auf die Bühne. An große Spielflächen gewöhnt, nutzen die Ensemblemitglieder die 470 Quadratmeter große ehemalige Auslieferungshalle der Firma ABB in Minden zur Inszenierung des Goetheschen Welttheaters. "Faust" in der Fabrikhalle - kann das gut gehen?

Schaut man bei den Proben zu, hat man den Eindruck, dass das schon funktionieren könnte, denn die gut 60 Akteure gehen mit dem rutschigen Betonboden genauso gelassen um wie mit dem heimischen Kies. Wenn - dem "Vorspiel auf dem Theater" gemäß, das Regisseur Marcus Hamann übrigens wie so manches andere rigoros gestrichen hat, die "Bretter" und "Pfosten aufgeschlagen" sind, so gilt das höchstens für die vier Zuschauertribünen, die an den vier Ecken der Halle errichtet werden und vielleicht ein Drittel der zur Verfügung stehenden Fläche einnehmen sollen. Die große Spielfläche mitten drin wird, Hamanns dramaturgischer Konzeption entsprechend, "die Weltbühne ganz nah an die Zuschauer bringen" und so soll auch kaum eine Chance ausgelassen werden, Zuschauer direkt anzuspielen. Der Industriecharakter des Gebäudes aber wird nicht übertüncht, zwei fahrbare Gerüste ergänzen die Bühnenausstattung und auch der vorhandene Aufzug soll verwendet werden.

"Was so ein bisschen Bühnenlicht doch ausmacht", sinniert Wilhelm Krückemeier, Darsteller des "Alten Faust". Über "ein bisschen Licht" kann Christoph Imming, Cheftechniker und Lichtmeister auch dieser Stückes, nur schmunzeln. Er und seine Mannen haben inzwischen über hundert Scheinwerfer aufgehängt und gut zehn Kilometer Kabel verlegt. Seine Beleuchtung sorgt so ganz nebenher in der Halle - auch bei winterlichen Plusgraden draußen - für sommerlich warme Temperaturen. "Als ich nach dem Stromanschluss fragte, hat man mir stolz drei Kraftstrom-Steckdosen gezeigt", erzählt er. Die können aber die gefordeten hundertvierzigtausend Watt nicht leisten und so musste erst ein tonnenschweres Stromkabel zur nächsten Übergabestation gezogen werden. Und die Stromrechnung? "Wir zahlen für den Verbrauch eine Pauschale an ABB", verrät Imming. Die Pauschale aber sei - auch eine Art Kultursponsoring - recht niedrig bemessen.

"Gefangen" in einem grellen Lichtkreis lamentiert inzwischen Sarah Machon als Gretchen in der letzten, der "Kerker"-Szene über ihr Schicksal, während draußen im Halbdunkel Holger Pape als junger Faust "der Menschheit ganzer Jammer" anfasst. Zuvor hat er mit Guido Meyer, als viriler Mephisto angetan mit einem wehenden feuerroten Mantel, in der vorrangegangenen, von Goethe "Trüber Tag. Feld" genannten Szene recht überzeugend gestritten und sich ereifert. Insgesamt spielt man schon ohne Textbücher und realtiv sicher - nur gelegentlich muss souffliert werden. Immer wieder taucht Regisseur Marcus Hamann aus dem Dunkel auf, gibt kurze Erklärungen, feilt mit den Akteuren gelassen an den Feinheiten. Der Raumhall erfordert große Sprechdisziplin, was der Wertschätzung dieses Stück großer Weltliteratur sicher ganz gut tut. Man liegt völlig im Zeitplan. Was jetzt schon zu sehen ist, macht Appetit auf die Premiere am 6. Februar.

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21.01.2004

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