Wiedersehen mit MolierePortabühne mit Klassiker "Der eingebildete Kranke"im HansehausAndrang am Krankenlager: Friedhelm Pape als Arzt Diafoirus, Cord Hashemian als Thomas Diafoirus, Anette Splitthoff als Dienstmädchen Toinette, Angelika Rüter als Beline und Wilhelm Krückemeier als Argan (von links). D-Foto: Ralf Kapries Von Ralf Kapries Minden (pri). Mit der Premiere von "Der eingebildete Kranke" von Moliere am Samstagabend im Mindener Hansehaus hat die Freilichtbühne Porta einen weiteren erfolgversprechenden Aufführungszyklus eingeläutet. Matthias Harre schuf eine neue deutsche Fassung des am 10. Februar 1673 im Pariser Palais Royal uraufgeführten Stückes und inszenierte es zugleich mit sicherer Hand. Der Regisseur, der auch auf der Portabühne kein Unbekannter ist, entwickelte gemeinsam mit seinen Darstellerinnen und Darstellern ein gutes Gespür für die komischen Stellen der Komödie und setzte sie mit viel Spaß an der Sache um. Die gesamte Inszenierung lebt sowohl aus den Fähigkeiten aller Beteiligten, als auch aus deren Spielfreude. Schön passt die Atmosphäre des altertümlichen Krankenzimmers mit der des Hansehauses zusammen. Die Szene wird dominiert von einem Himmelbett. In diesem Krankenlager residiert Argan, der eingebildete Kranke, überzeugend dargestellt von Wilhelm Krückemeier. Er zeigte Argans weinerliches Gesicht, aber auch seine Pfiffigkeit, seine Trotzreaktionen und sein Durchsetzungsvermögen. Ihm steht das Dienstmädchen Toinette zu Seite, eine treue Seele, die ihren Herrn versorgt und seinen allzu schlimmen Marotten selbstbewusst Paroli bietet. Überzeugende Darsteller Mit der Rolle der Toinette hat Anette Splitthoff eine energiesprühende Paraderolle gefunden, deren plötzliche Stimmungswechsel sie gekonnt zu beherrschen wusste. Nicht nur niedlich, sondern sehr überzeugend dargestellt, bezauberte Charlotte Zück als Argans jüngere Tochter Louison. Angenehm lebendig verkörperte Anna-Lena Krückemeier die heiratsfähige Argan-Tochter Ang±elique, die ein ebenfalls sehr vitaler David Skowron als ihr Liebhaber Cl±eante umwarb. Angelika Rüter überzeugte mit dem Part der um Argan und sein Erbe besorgten Frau B±eline, der als Freund und Helfer der Notar de Bonnefoy, seriös verkörpert von Walter Rommelmann, zur Seite stand. Friedhelm Pape verlieh dem blasierten Arzt Diafoirus Leben. Einen kurzen, aber effektvollen Auftritt hatte Jörg Homeier als Apotheker Fleurant, der sich mit Uwe Kohlhoff in seinem Part abwechselt, ebenso wie Premierenbesetzung Friedhelm Schlötel mit Wolfgang Tyrock als Argans Bruder B±eralde. Regisseur Harre schien allerdings der Rolle des Arztes Purgon nicht die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet zu haben, denn deren Darstellung durch Uli Dutz geriet etwas blass. Cord Hashemian spielte den Diafoirus-Sohn Thomas mit bewährtem Können und Akribie, die Rollenanlage schlitterte aber bedenklich nah an der Grenze zum Klamauk vorbei. Die in Anlehnung an die zu Moli²eres Zeiten übliche Aufführungspraxis eingefügten Tänze erhöhten zwar im Falle des Duetts de Bonnefoy-Argan den Eindruck des Gestelzt-Formellen, fügten sich jedoch nicht harmonisch in die Inszenierung ein und gaben ihr damit unnötige Längen. Insgesamt hat die Portabühne jedoch mit ihrer Inszenierung eine sehenswerte Interpretation eine "klassischen" Stücks Weltliteratur vorgelegt, mit deren Besuch man seine Bekanntschaft mit Moli²ere gern erneuert oder erstmals machen kann. |
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