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Das Dschungelbuch -Vorbericht-

Große Schnauze nimmt Wölfen die Sicht

Darsteller des Dschungelbuches proben erstmals mit Kostümen / Quirlige Gruppe auf der Freilichtbühne.


Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Auf der Portabühne ist es heute unruhiger als bei den anderen Proben zuvor. Regisseur Marcus Hamann, der die quirlige Truppe aus etwa 40 Kindern und 20 Erwachsenen dirigiert, hat dafür Verständnis: „Die Kostüme sind gerade fertig geworden. Da will natürlich jeder wissen, wie seins aussieht und wie es wirkt.“


Von Ralf Kapries

In der Tat ist die Bühnenkleidung lustig anzusehen, denn es wird für „Das Dschungelbuch“ geprobt. Allerdings soll nicht versucht werden, die Menschen lebensnah in Tiere zu verwandeln. Hamann liebt gerade die reizvolle Zwischenstufe zwischen menschlichem Tier und tierischen Mensch. So freut sich Baghira-Darsteller Volker Homeier, die den Schalk im Nacken hat, über die azurblauen Ohren seines ansonsten schwarzen Pantherkostüms und albert ein wenig mit seinem Sammetschälchen herum. Auch die Wolfskinder finden ihre Masken schön, müssen aber feststellen, dass ihnen die langen Wolfsschnauzen nach oben und auch ein wenig nach vorne die Sicht nehmen, dass sie wie überdimensionierte Schirme einer Schirm-Kappe wirken. Nachher, auf der Bühne, zeigt sich ein weiteres Problem: Obwohl die „Schirme“ aus ganz dünnem Material sind, behindern sie beim Sprechen. Wer mit geneigtem Kopf noch verständlich sprechen will, muss plötzlich ziemlich laut werden.

 

Marucs Hamann ist überall, zupft hier an den Plüschohren, gibt dort Ratschläge und auch als die Probe begonnen hat, pendelt er ständig zwischen Zuschauerraum und Bühne, widmet sich mit viel Sorgfalt sowohl den kleinen Gruppen als auch einzelnen Darstellern.

 

Endlich kann es losgehen. Die Wolfskinder kommen aus ihrer Höhle gepurzelt und müssen sich auf Geheiß ihres Vaters Rama (Uwe Kohlhoff) in Reih’ und Glied aufstellen. Ach, das Wandern in den Wald macht ihnen keine Freude und so gibt es allerhand Gejammer und Geheule sowie manche dumme Ausrede, die den grimmigen Rama auf die Palme bringt. Nur Wolfsmutter Rashka (Martina Alsdorf) zeigt Verständnis.

 

Oben im Wald lauert schon die Affenbande. Da öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. „Aufhören, alles unterstellen“, kommandiert Regisseur Hamann, während er schnell noch einen Müllsack über eine Lautsprecherbox zeiht. Sitzkissen werden eingesammelt, ein Korb mit Masken wird eilig mitgenommen. Alle suchen unter dem schmalen Dach neben der Technik Zuflucht, wo Christoph Imming und die Seinen bereits geduldig Kabel einstöpseln und allerlei Geräte in Gang setzen, die später für stimmiges Licht und den „guten Ton“ sorgen sollen. Gefragt, ob er den Regen nicht ausschalten könnte, frotzelt der Techniker: „Das ist jetzt Vorschrift der Feuerwehr. Die neue Sprinkler-Anlage muss alle halbe Stunde getestet werden.“

 

Während die Älteren sich in der Zwangspause gegen die feuchte Kälte einen wärmenden Kaffee genehmigen, versuchen sich die Wolfskinder an einem Anti-Regenssong. Doch es dauert noch eine Weile, bis Astrid Volkmann, Zweitbesetzung für Anette Splitthoff als Pythonschlange Kaa, ihren verführerischen Tanz absolvieren kann und die Elefanten-Armee unter dem Kommando von Friedhelm Pape als Oberst Hathi über die Bühne marschiert. Sein Junior wird übrigens von Inga Alsdorf und Ricarda Vielhauer gespielt. Auch das Menschenkind Mogli ist mit Fynn Steinmann und Florin Gieseking doppelt besetzt. Andreas Müller und Friedhelm Schlötel teilen sich die Rolle als Bär Balu, Matthias Linnemann und Holger Pape den Affenkönig Lui, während Julian Nolte als Tiger Shir Khan und Jan Krems als Schakal Tabaqui sich nicht auf solche Entlastung stützen können.

 

Die Geschichte: Ein kleiner Junge, der im Dschungel unter Wölfen aufwächst, wäre ein Leckerbissen für Shir Khan. Doch an Mogli selbst kommt ein gestandener Tiger wie er nicht so leicht heran. Darüber regt sich Shir Khan so lange auf, bis die Wölfe beschließen, das Menschenkind Mogli fortzuschicken. Panter Baghira und Balu der Bär begleiten ihn und versuchen ihm beizubringen, wie man im Dschungel überlebt.

 

Währe Mogli als Mensch unter Meschen nicht besser dran? Das fragen sich auch die Tiere und beschließen, Mogli dahin zu bringen, wohin er gehört: In die Menschensiedlung. Buchautor Rudyard Kipling geht jedoch weiter. Er schildert Moglis missglückte Resozialisierung bei den Menschen. Mit ihrem Verhalten hält er der gefühlskalten und in Regeln erstarrten viktorianischen Gesellschaft den Spiegel vor. Marcus Hamann verlagert diesen Aspekt auf die Tierwelt, indem er Tieren menschliche Züge verleiht.

Copyright © Mindener Tageblatt 2005

Erscheinungsdatum 11.05.2005 / Ausgabe MT

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