Flott gespielt und stimmig inszeniertPortabühne hatte im Mindener Hansehaus erfolgreiche Premiere mit "Arsen und Spitzenhäubchen"Von Ralf Kapries Minden (pri). Eine flott gespielte und stimmig inszenierte Kriminalkomödie erwartet die Besucher von "Arsen und Spitzenhäubchen", wenn sie eine der Aufführungen des Ensembles der Freilichtbühne Porta im Mindener Hansehaus besuchen. Dies ist das klare Ergebnis der Premiere vom Freitagabend. Unter der Regie Matthias Harres, dem Aiga Kornemann und Ull Reimann-Zell assistierten, ist ein flottes Schauspiel entstanden, bei dem die witzigen Dialoge und überraschenden Wendungen Schlag auf Schlag folgen und auch demjenigen Freude machen, der die Handlung aus dem bekannten Film mit Cary Grant und Peter Lorre kennt. Herrlich unschuldig und dabei doch moralisch gestalten Gisela Meier als Abby und Brigitte Rommelmann als Martha die Rollen der beiden Schwestern Brewster. Friedhelm Schlötel entfaltet erstaunliche Verilität als Teddy Brewster; glaubwüdig und völlig ohne Versatzstellen gelingen im die Übergänge zwischen Teddys verrückten Weltsichten. Den Theaterkritiker wider Willen, Mortimer, gestaltet Claus Burghardt sehr lebendig und mit der notwendigen Hektik; seine wachsende Furcht, auch an der Brewsterschen Krankheit zu leiden, verdeutlicht er anschaulich. Mörder sind unter uns Die Rolle des Neffen Jonathan Brewster teilen sich Christian Brodehl und Alexander Heidenreich, der in der Premiere Vorrang hatte. Heidenreich gestaltete sehr geschmeidig die Rolle des boshaften Jonathan. Neben Heidenreich hatte Gunhild Gieselmann trotz großen Engagement beinahe Schwierigkeiten, sich zu behaupten. Der Zuschauerraum beteht im Hansehaus aus zwei Aufbauten, auf denen das Publikum an der Eingangs- und der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes sitzt. Die Handlung spielt sich in der Mitte des Raumes ab. Die mehr oder weniger liebenswürdigen Mörder sind also mitten unter uns. Immer mehr drängt sich der Eindruck auf, als säße man selbst in einem Haus, dessen Keller zwölf Leichen beherbergt. Die Spitzen liebenden Schwestern mit ihrem kindlichen Gemüte erscheinen gerade auch in den Passagen zwischen den Akten, in denen das Technikteam unter Leitung Christoph Immings Musik zuspielt und die Scheinwerfer in der Art einer Lichtorgel abwechselnd aufblinken, ein wenig geisterhaft. Unterdessen spulen die Schauspieler die Handlung pantomimisch weiter. Es kommt der Inszenierung sehr zu Gute, dass Harre die Geschichte ohne Pause durchspielen lässt. Uli Dutz als Pfarrer Dr. Harper hat mittlerweise ein großes Faible für klerikale Rollen entwickelt. Astrid Rüter gestaltet dessen Tochter Elaine, deren Beziehung zu Mortimer sich dank der dargestellten Ereignisse zwischendurch etwas schwierig gestalten, als sehr selbstbewusste, muntere Frau. Sie hat nicht viel Zeit, ihrer Rolle Charakter zu verleihen; dass ihr eben das gelingt, ist ihr hoch anzurechnen. Niedlich gestaltet Freerk Petersen die kleine Rolle des einsamen "Junggesellen" Mr. Gibbs; ähnlich Baruch Hoffart als Ab±e Klein. Friedhelm Pape schien die Rolle des Lieutenant Rooney auf den Leib geschrieben während Uwe Rommelmann und Wolfgang Tyrock als Polizisten als Erzkomödianten brillierten. Schön war auch das Wiedersehen mit dem dienstältesten Schauspieler der Portabühne, Walter Rommelmann, der als Nervenarzt Mr. Witherspoon gegen Schluss einen kürzeren Auftritt hat. Der stimmungsvoll Gesamteindruck wäre nicht möglich ohne das liebevoll gestalte Bühnenbild von Wilhelm Krückemeimer und Conny Horstmann (Requisite), die hübschen Kostüme Rosi Papes und die raffinierten Perrücken, denen man die professionelle Hand Anita Puls’ anmerkt; sie ist mit Corinna Tiemann für die Maske verantwortlich. Das große Team der Portabühne, deren Mitwirkende hier nicht alle namentlich gewürdigt werden können, hat in einer bemerkenswerten Gemeinschaftsarbeit ein solides Stück auf die Bühne gebracht, an dem sich noch viele künftige Besucher erfreuen können. Weitere Aufführungen um 20 Uhr am 14., 15., 21., 28. Februar, 1., 7., 8., 14., 21., 28., März. Jeweils um 18.30 und 20.30 Uhr beginnen die Aufführungen am 15., 22. und 29. März. copyright by mt-online.de 11.02.2003 |
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