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8 Frauen -Premiere-

Viel Spannung mit Tiefgang

 

Treffsichere Inszenierung von Acht Frauen“ überzeugt Premierengäste

Von Ralf Kapries

 

Minden (pri). Mörderisch geht es zurzeit im Mindener Hansehaus zu. Die Porta-Freilichtbühne spielt dort ihr zweites Winterstück, Acht Frauen“ von Robert Thomas. Zur Premiere am Samstagabend bot das Ensemble eine gelungene, facettenreiche Inszenierung eines spannenden Stückes.

 

Gut spiegelt das Innere des Hansehauses den Handlungsort wider: Die Halle eines wohl etwas großzügigeren Landhaus in Südfrankreich. Vor dem Kamin steht eine große, altrosafarbenen Couchgarnitur. Entsprechend vorsichig bei der Farbgebung musste Rosi Pape ihre treffend gestalteten Kostüme vorgehen. An einer Wand steht eine Louis-seize-Kommoden neben einem Klavier. In einer Ecke erstrahlt ein Weihnachtsbaum, das traute Familienfest kann beginnen. Frieden und Freude dominieren die Anfangszene. Doch die Fassade bröckelt schnell.

 

Der französische Autor Robert Thomas hat eine Kriminalfarce komponiert, deren Tiefen und Untiefen Regisseur Detlev Schmidt mit seinen Darstellerinnen genau ausgelotet haben. Ähnlich dem bei Agatha Christie so beliebten Prinzip des geschlossenen Raumes sperrt Thomas die beteiligten Personen in ein Haus ein, gemeinsam mit der Leiche des Hausherrn. In einer Atmosphäre gegenseitiger Verdächtigungen entblößen die Frauen ihre geheimen Leidenschaften und jeden Fauxpas. Keine entspricht im Inneren der zur Schau getragenen Fassade.

 

So bedienen Stück und Inszenierung verschiedenen Interessensebenen. Den Krimi-Freund beschäftigt die Frage: Wer ist die Mörderin?“ Der gern in der Tiefe gründelnde Betrachter findet seine Portion Gesellschaftskritik und der Freudianer sein Neurosengärtlein. Wer Humor liebt, findet reichlich Gelegenheit zum Lachen. Kunstvoll hat Thomas alle diese Stränge miteinander verwoben und lässt sie wie Kletterpflanzen auf dem Gerüst der Kriminalhandlung wuchern, indem er auch die Rollen vielschichtig anlegt. Die Portaner haben dies verstanden und gekonnt in ihrer Inszenierung entwickelt.

 

So animiert Annette Timme-Brune mit wohldosiertem hysterischem Diskant als ewig nörgelnde Tante Augustine viele Zuschauer zum Lachen, gewinnt ihrer Rolle jedoch besonders in ihrem auf der Treppe vorgetragenen Chanson rührende Elemente ab. Ein lustiges Lied gibt der Rolle der Großmutter Mamy“, treffend dargestellt von Brigitte Rommelmann, mehr Farbe; ansonsten gibt sie sich leicht hypochondrisch und lässt sich in einem Rollstuhl fahren, wohl auch, um ihre alkoholbedingten Gleichlaufschwankungen zu kaschieren.

 

Die jüngere Tochter Catherine, deren vollpubertäre Lebenslust Laura Kohlhoff so treffend verkörpert, entwickelt sich zu einem ziemlichen Scheusal. Ina Krückemeier entwickelt in der Rolle der züchtigen Dienstmädchens Louise, das plötzlich zum männermordenden Vamp mutiert, völlig neue Perspektiven ihrer schauspielerischen Bandbreite. Fast schon ein bisschen zu lieb, aber immer rollengerecht, gibt Astrid Rüter die ältere Tochter Suzanne, die ein - natürlich uneheliches - Kind erwartet. Die stets gefasste Geschäftsfrau Gaby, routiniert dargestellt von Angelika Rüter, offenbart plötzlich geheime Lieb- und Leidenschaften. Wenn Haushälterin Chanel ihre lesbische Veranlagung offenbart, vermag das hier und jetzt nur noch wenig zu schockieren, doch Corinna Thiemann spielt sie lebensvoll als die Seele des Hauses und Ersatzmutter der emotional vernachlässigten Kinder. Die ganze Tiefe ihrer Rolle als personifiziertes Laster schöpft Anette Splitthof als Pierette aus. Doch hinter Pirettes zur Schau getragenen Selbstbewusstsein schlummern verletzte Gefühle.

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