"Reich an Erfahrung, reich an Bewunderung"Freilichtbühne Porta feiert mit ihrem 75. Geburtstag zugleich das 70. Bühnenjubiläum von Walter RommelmannAls Tevje feierte Walter Rommelmann sein 70. Bühnenjubiläum auf der Portabühne. Von Ursula Koch Porta Westfalica (mt). Für seinen ersten Auftritt auf der Portabühne musste Walter Rommelmann noch "zwangsrekrutiert" werden. Heute, 70 Jahre später, hat der 79-Jährige zwar immer noch Angst vor jedem Auftritt, möchte aber trotzdem gerne noch einmal eine schöne große Rolle spielen. So konnte die Goethe Freilichtbühne Porta Westfalica am Himmelfahrtstag nicht nur ihren eigenen 75. Geburtstag feiern, sondern auch das 70. Bühnenjubiläum von Walter Rommelmann. Der Vereinsvorsitzende Wolfgang Tyrock holte alle stimmberechtigten Vereinsmitglieder zu einer besonderen Abstimmung auf die Bühne. Jeder bekam einen Stimmzettel, eine rote Rose. "Wer für diesen Antrag ist, gibt seinen Stimmzettel Walter Rommelmann, wer dagegen ist, gibt mir den Stimmzettel", forderte Tyrock auf. Es passierte, was zu abzusehen war, alle Rosen landeten bei Rommelmann und damit ist er nun das erste Ehrenmitglied der Portabühne. Zum Dank sang Rommelmann noch einmal als Milchmann Tevje aus "Anatevka" das Lied "Wenn ich einmal reich wär". Die Aufführung liegt auch schon 20 Jahre zurück, doch zählt sie neben dem Franz Moor in Schillers "Räuber" zu seinen Lieblingsrollen. "Du bist reich, reich an Erfahrung, reich an Anerkennung, reich an Bewunderung", antwortete ihm darauf der Regisseur Roberto Widmer in seiner Laudatio, in der er die große Leidenschaft für das Theater aller Amateur-Schauspieler der Portabühne lobte. Widmer weiß wovon er spricht, denn seit 1993 hat der gebürtige Schweizer zahlreiche Stücke für die Portabühne inszeniert, zuletzt "Der Name der Rose" von Umberto Eco, mit dem die Bühne 2001 einen Besucherrekord erlebte. Widmer verrät auch, dass Rommelmann gern einmal den Willi Lohmann in "Tod eines Handlungsreisenden" gespielt hätte, denn ein Handlungsreisender war er auch im Berufsleben. "Aber ich habe mich nie nach einer Rolle gedrängt, sondern sie wurden mir von den Regisseuren angeboten", sagt der Jubilar bescheiden. In jungen Jahren habe er wohl einmal damit geliebäugelt ins Profilager zu wechseln. Doch Wilhelm Körner, der damals Regie führte, habe ihn gefragt: "Was willst du mit dieser Blechstimme auf der Bühne?" Das haben ihn wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. "Die Schauspielerei soll ein Hobby bleiben bis zum Schluss." Mit Blick auf einige Profi-Kollegen, geht Rommelmann manche Eitelkeit zu weit: "Man muss wissen, wann man aufhören muss." Die Spielergemeinschaft sei für ihn immer eine Art Familie gewesen. Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass sowohl seine zweite Ehefrau, wie sein Sohn und seine Tochter dort gemeinsam mit ihm auf der Bühne standen. Dass Rommelmann in diesem Sommer nicht im Scheinwerferlicht zu sehen ist, liegt aber ganz einfach an der Auswahl der Stücke, berichtet der Jubilar. In "Sister Act" sei für ihn einfach nichts dabei gewesen. Aber im Herbst stehe er wieder in "Josef und Maria" auf der Bühne. Und wie es im nächsten Jahr weitergeht, werde sich zeigen, verweist Rommelmann auf sein Alter. "Feiert nicht zu sehr das Alter, feiert die Jugend", forderte er seine Mitspieler auf. copyright by mt-online.de 31.05.2003 |
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